„Sagt in allem Dank! Denn dies ist der Wille Gottes in

Christus Jesus für euch.“

(1. Thessalonicher 5,18

nach der „Elberfelder Übersetzung“)

Vor gut zwölf Jahren erlebte ich in Chicago mein erstes

– und bislang einziges – „Thanksgiving“-Fest. Dieser

wichtige US-amerikanische Feiertag ist unserem

Erntedankfest nicht unähnlich, hat aber einen anderen

Hintergrund und wird etwa zwei Monate später als bei

uns gefeiert. Neben den vielen typischen Leckereien

(Truthahnfleisch, Süßkartoffeln, Kürbiskuchen

und anderes) ist mir vor allem eine persönliche

Runde in Erinnerung geblieben, bei der jeder

Anwesende sagen durfte, wofür er oder sie

besonders dankbar ist. Zum Glück war ich nicht als

Erster an der Reihe, denn ich musste zunächst einmal

nachdenken, wofür ich denn gerade dankbar bin.

Es fiel mir dann aber schnell einiges ein, und einen Teil

davon gab ich den Mitfeiernden weiter. Ich weiß noch, dass es unheimlich

gut getan hat, Dankbarkeit laut auszusprechen. Ich durfte es mit

anderen teilen, und es hat mir selbst geholfen, die Gründe meiner

Dankbarkeit bewusst zu machen. Wir befinden uns gerade im

„Jahr der Dankbarkeit“, das mit dem vergangenen

E r n t e d a n k f e s t begonnen hat. An v e r s c h i e d e n e n Stellen des

G e m e i n d e l e b e n s werden wir daran erinnert, wie wichtig es ist, bewusst zu

danken. Indem wir uns vor Augen führen, wie viel Grund zum Danken wir eigentlich

haben, gewinnt eine dankbare Haltung in unserem Leben Gestalt.

Das steigert nach allgemeiner Erfahrung übrigens auch die

Zufriedenheit, denn unser Blick verändert sich von dem, was

wir nicht haben, zu all dem, was wir haben und genießen dürfen.

Insofern finde ich auch die Idee mit einem ganzen Jahr der Dankbarkeit

genial, denn so bleibt das Thema nicht auf einen besonderen Tag im

Herbst beschränkt.

Der Leitvers zum Jahr der Dankbarkeit stammt von dem

Apostel Paulus (siehe oben). Das ist eindeutig formuliert, erregt aber

bei manchen Christen auch Anstoß:

Können wir denn für alles dankbar sein, auch für die negativen Seiten

und Ereignisse unseres Lebens? Mir hilft in diesem Zusammenhang, dass

Paulus nicht sagt „Sagt für alles Dank“, sondern, „Sagt in allem Dank“ – das

ist ein Unterschied.

In jeder Lebenslage, auch in den düsteren Zeiten, finden sich in unserem

Leben Gründe zum Danken. Mit der Aufforderung von

Paulus richtet Gott, gerade in schweren Zeiten, unsere Blicke auf

das Gute, das es auch noch gibt, auf das Dankenswerte.

Dafür bin ich dankbar, dass Gott uns nichts Unmögliches aufzwingt,

sondern unseren Blick auf das Gute in unserem Leben richtet, nicht nur

im Jahr der Dankbarkeit.

Ihr Pastor Peter Bernshausen